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Die haben Probleme…

Beim Surfen auf den Internetseiten des „Supporters Club“ eines Hamburger Bundesligisten bin ich auf Folgendes gestoßen:

Lotto King Karl, Pape und Marek Erhardt sind seit Jahren fester Bestandteil der Stadionshow vor, während und nach Heimspielen unseres HSV, das Absingen von „Hamburg meine Perle“ unmittelbar vor Spielbeginn geniesst in der Mitgliedschaft und bei den Anhängern des HSV Kultstatus. Gerade diese Auftritte geniessen auch bei bei den anderen Bundesligisten allerhochstes Ansehen, etwas, worum der HSV beneidet wird.

Der Supporters Club hofft, dass die Verantwortlichen Wege finden werden, damit auch in der kommenden Saison Lotto, Pape und Marek die Mitglieder und Anhänger des HSV mit Ihren Auftritten zu unseren Heimspielen begeistern können.

Tja, so füllt man in Stellingen das Sommerloch. Neuer Medienpartner, neue Stadionshow – so läuft das nun einmal. Scheinbar wollen sich weite Teile der Fanszene nicht damit abfinden, und auch der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann spielt mit. In einem Interview sagt er, „Wir legen großen Wert auf personelle Kontinuität und somit darauf, dass auch in der kommenden Saison „Hamburg meine Perle“ ein Kernbestandteil unserer Stadionshow sein wird.“ Alles deutet also auf eine Lösung im Sinne der Mehrheit der HSV-Konsument_Innen hin. Schade, ist doch das Gesinge von HSV-Edelfan Lotto King Karl und seinem Gitarristen Carsten Pape nicht nur für die Gästefans eine Zumutung. Die Showeinlage mit Hebebühne und Live-Musik mag vor vier Jahren noch etwas Beneidenswertes gewesen sein, aber mittlerweile ist diese Showeinlage wohl mit das Kitschigste, was die Stadionshows der 18 Bundesligisten zu bieten haben. Bleibt zu hoffen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet, und wir uns bei unserem nächsten Gastspiel in Stellingen „Hamburg, Meine Perle“ wenn überhaupt, dann vom Tonband anhören dürfen.

Keno stinkt!


Weil ich finanziell gegenwärtig ziemlich schlecht gestellt bin, wollte ich neulich mein Glück beim Lotto versuchen. Das ist komplizierter, als man sich das vorstellt. Wer binnen kurzer Zeit aus wenig Geld viel Geld machen will, hat die Qual der Wahl: SKL, NKL, 6 aus 49, Super 6, Spiel 77, Aktion-Mensch-Lotterie, Oddset… Meine Wahl fiel spontan auf „Keno“. Klingt exotisch, die Gewinnchancen sind besser als bei 6 aus 49, und Mensch ist ja offen für Neues. Und damit begannen die Probleme: Wie ein Spiel spielen, was Mensch nicht versteht?

Ich werde kurz versuchen, das komplizierte Regelwelrk zu erläutern: Keno stammt ursprünglich aus China. Aus 70 Zahlen werden bei einer Ziehung 20 gezogen. Als Spieler tippt man vorab wahlweise auf 2 bis 10 Zahlen und setzt 1, 2, 5 oder 10 Euro. Auf den Einsatz entfällt nach festen Quoten ein Maximalgewinn von einer Million Euro (bei 10 Euro Einsatz und 10 Richtigen). Die Wahrscheinlichkeit, den Höchstgewinn zu erzielen, sind dabei (angeblich) höher als beim herkömmlichen Lotto. Ich habe also 3 Tipps auf je 10 Zahlen zu je 5 Euro abgegeben, insgesamt also 15 Euro eingesetzt. Gewonnen habe ich nichts. Wenn man bedenkt, dass die Zahlen mittles Computer gezogen werden, und Computer bekantlich manipulierbar sind, ist es auch kein Wunder, dass man dort nichts gewinnt. Gewinnen tun bei so etwas viele, nur sind es komischerweise immer die Anderen. Man selbst ist hinterher merkwürdigerweise immer sein Geld los. Ich spiele jedenfalls künftig nur noch 6 aus 49. Da werden die Zahlen wenigstens noch mechanisch gezogen und man weiß schon vorher, dass man nichts gewinnt…

Weiter geht’s

Nach einer längeren soft- und hardware-bedingten Zwangspause (i hate my festplatte) wird wieder gebloggt.

Sexismus=Moppelkotze

Leipziger Stadtansichten #1

RoboJew rettet die Welt

„Colonialismus“ & Co. – Aufkleber für friedensbewegte antiimperialistische Frauenrechtler_Innen und mehr

Auf der Suche nach coolen Aufklebermotiven bin ich durch Zufall auf den Shop von linke-aufkleber.de gestoßen. Neben einigen wenigen guten Aufklebern bieten die Betreiber auch allerhand ekelerregendes Zeug an. Hier eine kleine Auswahl, ich erspare mir jeden weiteren Kommentar:

Fotografieren gegen Nazis!!! – Nachtrag

Der Wettbewerb ist noch nicht einmal 24 Stunden alt und schon gibt es den ersten Aufreger:

Die ersten Reaktionen sind breit gefächert. Das Spektrum reiht von „klasse“ bis „inakzeptabel“. Mir stellt sich die Frage, was der Künstler „Jan_O“ mit dieser Collage wirklich ausdrücken möchte. Möchte er einen (widerlichen) Vergleich zwischen den Verdiensten des Dalai Lamas und den Greueltaten Adolf Hitlers aufstellen, geht es ihm um den Glauben an eine bestimmte Sache, den Gegensatz zwischen Krieg (Hitler) und Frieden (Buddhismus, Dalai Lama), gut und böse? Eine Antwort möchte der Künstler nicht liefern. Stattdessen erklärt er:

Ich war darauf vorbereitet, dass einige das Bild auf eine schlechte Art und Weise interpretieren (; dafür sind Bilder ja da, jeder macht sich andere Gedanken darüber. Der Kerngedanke war nicht, eine Religion anzugreifen oder gar Dalai Lama zu kritisieren. Die Frage geht an den Betrachter des Bildes. Ich werde nicht sagen, was ich mit dem bild aussagen wollte, das müssen die Betrachter schon herausfinden (;

Also macht euch eure eigenen Gedanken zu diesem ekligen Stück Scheiße. Gute Nacht.

Fotografieren gegen Nazis!!!

Mit diesem Wettbewerb werben die Jugendpresse Deutschland e.V. und ihr Foto-Portal Jugendfotos.de seit heute auf ihren Internetseiten. Mitveranstalter ist neben der Jugendpresse ausgerechnet das SchülerVZ – eine Plattform, wo angesichts unzähliger Nazi-Gruppen die Bekämpfung von Rechtsextremismus eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint.

Gesinnung ist eine Grundhaltung und Denkweise des Menschen. Diese wird für Handlungen, Zielsetzungen, Aussagen und Urteile zugrunde gelegt. Unter dem Motto „Gesinnungslos! Was ist rechts?“ werden Fotos gesucht, die sich gegen rechtsextremes Gedankengut wehren. Um die Ecke denken ist dabei erwünscht!

Das klingt doch mal spannend. Aber wie kann sich ein Foto gegen rechtes Gedankengut wehren? Ein Foto ist eine Momentaufnahme, kann rechtes Gedankengut ausdrücken oder dokumentieren, aber sich dagegen zur Wehr setzen.

Jetzt bist du dran! Auf Jugendfotos.de, der Fotoplattform für junge Medienmacher, kannst du deine Fotos in einem offenen und kreativen Pool zur Thematik Ausländerfeindlichkeit, deutsche Identität, Integration und Umgang mit anderen Kulturen in Deutschland einreichen.

Worum geht es den Wettbewerbsmacher_Innen? Ausländerfeindlichkeit, Integration, Umgang mit anderen Kulturen – so langsam wird’s off-topic. Aber zur Rettung des Wettbewerbsthemas bleibt zum Glück die Thematik der „deutschen Identität“ , was immer auch damit gemeint ist. Das spielt im Prinzip aber auch keine Rolle, viel spannender ist ohnehin die Frage, wie ein Foto zur „deutschen Identität“ sich gegen Rechtsextremismus, also u.a. übersteigertem Nationalismus, wehren kann. Eine Antwort liefern die Wettbewerbsmacher_Innen auf diese Frage nicht. Bei der Beurteilung der eingereichten Fotos soll neben fotografischer Qualität der „kreative Umgang mit dem Thema“ eine Rolle spielen. Aber kann darf mit dem Thema „Rechtsextremismus“ überjaupt kreativ umgehen? Führt ein kreativer Umgang mit dieser Thematik nicht zwangsläufig zu einer Verharmlosung des Problems? Für die Jugendpresse, das SchülerVZ (was das Thema wie schon erwähnt von Haus aus nicht ernst zu nehmen scheint) sowie die Sponsoren Adobe und Canon offenbar nicht. Allerdings beweisen manch hochgeladene Fotos bereits Gegenteiliges. So zeigt ein Bild ein Halteverbotsschild mit je einem weißen Pfeil nach links und rechts. Die Aufnahme könnte vom führenden Extremismus-Forscher Eckhard Jesse aus Chemnitz stammen, der lieber Extremismus in all seinen Facetten anstelle von Nationalismus oder Antisemitismus bekämpft. Dass er selbst beste Kontakte zur so genannten „Neuen Rechten“ unterhält, sei nur am Rande erwähnt. Jedenfalls hat Jesse-Verehrer_In „lilaFrosch“ ebenso wenig einen Preis verdient wie „denis-cubic“, die/der uns selbiges Verkehrsschild mit lediglich einem nach rechts weisenden Pfeil präsentiert. Die bloße Ablehnung rechtsextremen Gedankenguts klammert nämlich aus, dass Versatzstücke der NS-Ideologie wie z.B. Antiamerikanismus oder Antizionismus nicht nur in der bürgerlichen Mitte, sondern auch in der radikalen Linken schon seit Ewigkeiten präsent sind.

Als Hauptpreis winkt übrigens eine „coole Fotoausrüstung“, nämlich eine EOS 450d im Kit mit einem 18-55mm IS. Kenner wissen, dass dies nicht wirklich eine „coole Ausrüstung“ und man ständig am Nachrüsten ist, aber genau deshalb dürfte Canon diesen Wettbewerb supporten.

Im besagten SchülerVZ hat sich bereits eine Gruppe mit dem einfallsreichen Namen Ich fotografiere gegen Rechtsextremismus“ gegründet. Dass die Masse der „Nachwuchsjournalist_Innen“ dort wirklich bereit wäre, auf die Straße zu gehen, um mit der Kamera eine rechte Demo zu dokumentieren, während ihnen Steine um die Ohren fliegen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

P.S.: Das Titelmotiv mit den Stiefeln in der Fußgängerzone sagt 1. nichts aus und 2. zeugt von Ahnungslosigkeit. Anscheinend hat sich unter den Veranstalter_Innen noch nicht rumgesprochen, dass die Masse der Nazis nicht mehr mit Stiefeln und Bomberjacken durch die Straßen läuft.

P.P.S.: Ich werde den Wettbewerb im Auge behalten und bei Bedarf weiter davon berichten.

Nazis und Israel

Vorgestern ist im Internet eine Art Manifest der „Nationalen Sozialisten für Israel“ aufgetaucht. Darin sprechen sich die Verfasser_Innen für die Solidarität mit dem jüdischen Volk aus.

Auch wenn sich der Nationale Widerstand und vorallem neurechte Strömungen seit Jahren in einem Wandel befinden, so existiert doch noch immer in großen Teilen unserer Bewegung ein festverankertes antisemitisches Weltbild. „Der Jude ist an allem Schuld“ ist der Tenor nur allzuoft, ohne sich intensiv mit den gesellschaftlichen Problem auseinanderzusetzen. Es ist schließlich auch einfacher, ein einzelnes Feindbild zu inszenieren und ihn als „das Böse“ schlechthin zu dämonisieren, anstatt sich tiefergründig mit den komplexen Ursachen zu befassen. Mittlerweile haben wir uns längst von veralten White-Power Denken verabschiedet und gestehem jeden Volk ein Recht auf freie Entfaltung zu. Außer Israel, dass hat von der Landkarte zu verschwinden. Aber warum? Eine schlüssige Antwort darauf blieb seit Jahren aus, statt dessen wird mit billigen Phrasen und Klischees Stimmung gemacht und ein Feindbild konstruiert. […]

Wir sind jedoch im Jahre 2007 an einem Punkt angekommen, wo wir jeden Menschen wertschätzen und nicht mehr in höher- und minderwärtig klassifizieren. Jede/r intelligente Kamerad/in sollte sich darüber bewusst sein und nicht der weitverbreiteten Unreflektiertheit verfallen, in der die Ursachen von Kapitalismus und Globalisierung auf ein einziges Volk bzw. einen Staat projeziert werden. Auch Israel hat ein Existenzrecht. Auch dieses Volk hat Kultur und Eigenarten die es zu schützen bedarf, auch das israelische Volk ist wertvoll. Deshalb stehen wir hinter dem Existenzrecht Israels, weil auch dem israelische Volk eine Identität und Souveränität innerhalb einer Nation als Grundrecht auf Selbstbestimmung zugestanden werden muss. […]

Es gilt jedem Volk an seinem angestammten Lebensraum zu achten, denn schließlich sind wir alle Bestandteil einer großen Völkerfamilie. Nationaler Sozialismus bedeutet die Liebe zum eigenen Volk, und nicht der Hass auf andere Völker. Jedes Volk hat seine Tradition, sein Territorium und seinen Platz in der Geschichte – und dazu gehört auch Israel.

Hier fordern Neonazis, vermutlich aus dem Umfeld der so genannten „Autnonomen Nationalisten“ mit rassistischem Vokabular die Solidarität mit dem Staat Israel. Das Ganze klingt selbst für Szenekundige zunächst einmal nach einem schlechten Witz. Nazis und Israel passen traditionell so wenig zueinander wie Antideutsche und das antisemitische Regime des Iran. Also alles nur gefaked? Dem Tagesspiegel zufolge schließen Verfassungsschützer nicht aus, dass der Text tatsächlich aus rechtsextremen Kreisen stamme.

Falls es sich tatsächlich um einen Fake handeln sollte, haben die Urheber_Innen gute Arbeit geleistet. Mit ihrer Argumentation knüpfen die Verfasser_Innen an traditionelle völkisch-antisemitische Denkweisen an. Die Forderung nach der freien Entfaltung aller Völker in ihren eigenen Territorien wird seit Ewigkeiten von der rechten Szene in genau dieser Form artikuliert. Die pro-zionistische Haltung der „Nationalen Sozialisten für Israel“ mag zunächst einmal positiv klingen, bedeutet sie doch eine Abkehr von dem Wunsch nach Vernichtung des israelischen Staats, allerdings ist die Argumentationsweise der Nazis hochgradig rassistisch & antisemitisch. Die Forderung nach einem rein jüdischen Nationalstaat impliziert im Endeffekt die Hoffnung, dass sich alle Jüd_Innen aus der Diaspora in diesen Nationalstaat zurückziehen – der ewig gehegte Traum der Nazis von einem judenfreien Europa würde Realität werden. Was die israelsolidarischen Nazis nicht verstanden haben und vermutlich nie verstehen werden: der Staat Israel wurde als Konsequenz aus der Shoah gegründet. Seine Einwohner_Innen stammen aus allen Erdteilen – alles, was sie verbindet, ist der Umstand, dass sie andernorts wegen ihres Glaubens oder ihrer Abstammung verfolgt werden würden. Von einer „Volksgemeinschaft“ wird daher nie die Rede sein können (davon einmal abgesehen glaube ich generell nicht an die Existenz irgendwelcher „Volksgemeinschaften“).

Egal ob Fake oder nicht. Eines haben die Urheber_Innen der Page schon jetzt erreicht. Sowohl in linken Kreisen als auch in diversen NS-Foren wird, angeblich Teils äußerst kontrovers, über die Thematik diskutiert. Auf diese Debatten möchte ich nicht näher eingehen, da die dort geäußerten Argumente wahrscheinlich allen interessierten Leser_Innen bereits bekannt sein dürften und jede/r Interessierte sich an bekannten Stellen selber ein Bild machen sollte. Der Tagesspiegel berichtet, dass sich in Nazi-Kreisen bereits erste Befürworter dieser bizarren neuen inhaltlichen Ausrichtung gefunden haben sollen:

Deshalb finden sich nun in Neonazi-Foren auch Stimmen, die den „Nationalen Sozialisten für Israel“ beipflichten. „Der deutsche Nationalismus muss sich endlich vom dogmatischen Antisemitismus befreien“, schrieb ein Rechtsextremist auf der Altermedia-Homepage. Ein anderer verwies auf Parallelen zu den links-autonomen „Antideutschen“, die pro Kommunismus, USA und Israel agitieren.

Das Letzterer mit seiner Einschätzung völlig daneben liegt, ist offensichtlich, lehnen Antideutsche doch jedweden Nationalismus ab und fordern die Überwindung aller Nationalstaaten ein.
Wie dem auch sei, die Pro-Israel-Nazis haben ihre Positionen szene-öffentlichkeitswirksam dargelegt. Bleibt abzuwarten, wie sich diese inhaltliche Strömung weiter entwickelt. Und vielleicht ist ja doch alles nur ein schlechter Witz…