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Deutschland hat verloren

Stadtpokalsieger!

Randale schadet Sachsen?

Seit einigen Wochen findet man in sächsischen Großstädten großformatige Plakate mit dem Konterfei eines oder gleich fünf säschsichen Fußballspielern und dazu die Aufschrift „dann zieh unser Trikot aus – Randale schadet Sachsen.“ Urheber der Kampagne ist, man ahnt es, das sächsische Innenministerium. Auf einer eigens eingerichteten Kampagnen-Page findet man unter dem schlagkräftigen Titel „Innenminister Buttolo sagt Fußball-Randalierern den Kampf an“ einen 7 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog, mit dem künftig gegen erlebnisorientierte Fans vorgegangen werden soll. Dieses mit dem Sächsischen Fußballverband Konzept sieht neben so genannten „präventiven Maßnahmen“ wie Sicherheitsberatungen oder den Einsatz von „szene(un)kundigen Beamt_innen“ auch repressive Maßnahmen wie die konsequente Durchsetzung von Stadionverboten oder die Erteilung von Meldeauflagen vor.

Wozu das ganze Theater, dessen Zweck einzig und allein die Aussperrung von denjenigen sein dürfte, denen wirklich noch an Fankultur gelegen ist (und deren Zahl dürfte sich bei der anhaltenden sportlichen Flaute sächsischer Vereine künftig weiter reduzieren)? Die Antwort liefert Innenminister Dr. Buttolo:

Wenn wir gemeinsam mit den Vereinen die Ausschreitungen bei Fußballspielen nicht in den Griff kriegen, befürchte ich einen weiteren Imageverlust für Sachsen und die Nichtberücksichtigung bei der Vergabe von internationalen Spielen einschließlich der wirtschaftlichen Folgen. Auch die Austragung bestimmter Spiele unter Ausschluss der Zuschauer droht.

Herrn Buttolo geht also um einen Imageverlust? In anderen Bundesländern, z.B. Nordrhein-Westfalen, sind polizeiliche Großeinsätze im Rahmen von Fußballspielen an der Tagesordnung. Trotzdem war man dort zumindest zu WM-Zeiten stolz auf seine breit gefächerte Fußball-Landschaft. Aber damit nicht genug. Herr Buttolo möchte nämlich auch künftig gerne die Nationalmannschaften der Bundesrepublik oder des Iran samt ihrer politisch interessierten antisemitischen Anhänger in seinem Bundesland begrüßen (wozu sich ihm am 28.03.2009 in Leipzig die Gelegenheit bietet). Oder er glaubt allen Ernstes, Dynamo spielt in absehbarer Zeit international? Wobei in diesem Fall die Heim-Spiele automatisch in Dresden stattfinden würden. Nichts mit Vergabe und so weiter. Wo wir gerade von „Vergabe“ sprechen. Dresden wird wahrscheinlich Spielort der Frauen-Fußball-WM 2011 sein.
Aber seien wir doch mal ehrlich. Hätte der iranische Präsident das WM-Qualifikationsspiel zwischen seinem Land und Angola in Leipzig besucht, wäre er von Herrn Buttolo garantiert mit Handschlag begrüßt worden.
Zurück zum Thema. Auf der Kampagnenseite heißt es weiter:

Die Bürger hätten kein Verständnis dafür, dass teilweise mehr als 1000 Polizeibedienstete ein einziges Fußballspiel in Sachsen absichern müssten. Dies sei auch ein verheerendes Bild für Urlauber und Touristen. Der öffentliche Druck auf den Freistaat Sachsen, einzelne Vereine bei Großeinsätzen der Polizei finanziell in Anspruch zu nehmen, werde weiter steigen.

Bürger_Innen, Urlauber_Innen und Tourist_Innen haben kein Verständnis, dass 1000 Polizeibedienstete ein Fußballspiel absichern müssen? Die Fans, die beinahe jedes Wochenende von polizeilichen (Willkür-)Maßnahmen betroffen sind, auch nicht. Also könnten die Polizeibediensteten eigentlich auch zu Hause bleiben? Nein, denn dann könnte die Sicherheit von Herrn Buttolo und anderen Fußball-Konsument_Innen, die mangels Interesse am Geschehen auf dem Platz in Fußballstadien ohnehin nichts verloren haben und gut beraten wären, sich Fußballspiele im Fernsehen anzusehen, anstatt interessierten Besucher_Innen die Plätze wegzunehmen, nicht mehr garantiert werden. Echte Fankultur betrachten diese Menschen als Angriff auf ihre guten Sitten. Ein Fußballspiel guckt man sich stillschweigend im Sitze an und applaudiert höflich, wenn ein Tor fällt. Wenn mich, egal ob im Stadion oder anderswo, jemand angreift, wehre ich mich und schlage gegebenenfalls zurück. Buttolo & Friends sind sich zu fein, um zurück zu schlagen. Sie überlassen diese Arbeit bis zu über 1000 Beamt_Innen – jedes Wochenende aufs Neue. Vielleicht sollte dieser Personenkreis endlich mal die Ursachen für Ausschreitungen bei Fußballspielen, z.B. bei Lokalderbys, hinterfragen und sich dabei auch an die eigene Nase fassen, anstatt alle Beteiligten über einen Kamm zu scheren. Solange es in sächsischen Kurven Nationalismus und Antisemitsmus gibt, wird es auch Fans geben, die diese Missstände kritisieren. 300.000 Euro für Fanprojekte und Initiativen gegen Gewalt auf dem Fußballplatz? Ja, aber straft endlich die Vereine ab, die Neonazismus und Antisemitismus in ihren eigenen Reihen und Fanszenen tolerieren. Hierzu bedarf es ein Umdenken auf (sport-)politischer Ebene. Mit Lippenbekenntnissen in Form bunter Plakate und dem Bau neuer VIP-Logen wird das Problem nicht in den Griff zu bekommen sein.

Antira-Turnier 08

Vom 23.-25. Mai findet das 5. Antira-Turnier von USP, Frauenteam und Fanladen statt. Eines der Highlights dürfte zweifelsohne das Konzi am Turnier-Samstag sein. Wenn ich könnte, würde ich hingehen.