BRD vs. DDR 0-1

Vorgestern bin ich im Hallenser Kurt-Wabbel-Stadion gewesen, um mir die Neuauflage des WM-Klassikers von 1974 anzusehen. Die DDR existiert seit gut 18 Jahren nicht mehr? In Halle wurde sie für 2× 45 Minuten wieder zum Leben erweckt. Der Schweizer Performer Massimo Furlan hat es möglich gemacht. Er spielte das legendäre Match zwischen den beiden deutschen Staaten nach – alleine. Es ist 18.30 Uhr Hallenser Zeit. Die Haupttribüne ist gut gefüllt, die Mannschaften, pardon Massimo Furlan in der Rolle des späteren Torschützen Jürgen Sparwasser, betreten gefolgt von der Blaskapelle das Spielfeld. Die Zuschauer stehen größtenteils aus, die Kapelle schmättert beide Nationalhymnen in Richtung Haupttribüne. Einige Zuschauer haben Nationalfahnen mitgebracht, die sie jetzt gen Himmel schwenken. Einige wenige besonders nationabewusste Zuschauer singen sogar die Hymnen mit.
Dann beginnt das Spiel. Furlan ist Sparwasser. Minutiös kopiert er das Spiel des einstigen DDR-Nationalhelden. Das Publikum wird um auf den Tag genau 34 Jahre zurück versetzt. Wie mag das wohl gewesen sein, damals im weiten Rund einer hässlichen Hamburger Betonschüssel? Zumindest in ästhetischer Hinsicht steht das Kurt-Wabbel-Stadion seinem historischen „Vorbild“ in nichts nach. Schade nur, dass nicht alle Ränge besetzt gewesen sind. Dann wäre möglicherweise authentische Stadionatmosphäre aufgekommen. So sitzt das Publikum auf der Haupttribüne, und lauscht wahlweise dem zeitgenössischen Radiokommentaren der ost- oder der westdeutschen Rundfunkanstalten, während Furlan auf dem Rasen einsam seine Runden dreht. In der 78. Minute ist der Moment gekommen, auf den das Publikum sehnsüchtig gewartet hat. Sparwasser aka Furlan schießt sein Tor, das Publikum jubelt und die ersten Zuschauer verlassen das Stadion. Am Ende gibt es Standing-Ovations für eine Performance, die man in dieser Form kein zweites Mal zu sehen bekommen wird.