
Mit diesem Wettbewerb werben die Jugendpresse Deutschland e.V. und ihr Foto-Portal Jugendfotos.de seit heute auf ihren Internetseiten. Mitveranstalter ist neben der Jugendpresse ausgerechnet das SchülerVZ – eine Plattform, wo angesichts unzähliger Nazi-Gruppen die Bekämpfung von Rechtsextremismus eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint.
Gesinnung ist eine Grundhaltung und Denkweise des Menschen. Diese wird für Handlungen, Zielsetzungen, Aussagen und Urteile zugrunde gelegt. Unter dem Motto „Gesinnungslos! Was ist rechts?“ werden Fotos gesucht, die sich gegen rechtsextremes Gedankengut wehren. Um die Ecke denken ist dabei erwünscht!
Das klingt doch mal spannend. Aber wie kann sich ein Foto gegen rechtes Gedankengut wehren? Ein Foto ist eine Momentaufnahme, kann rechtes Gedankengut ausdrücken oder dokumentieren, aber sich dagegen zur Wehr setzen.
Jetzt bist du dran! Auf Jugendfotos.de, der Fotoplattform für junge Medienmacher, kannst du deine Fotos in einem offenen und kreativen Pool zur Thematik Ausländerfeindlichkeit, deutsche Identität, Integration und Umgang mit anderen Kulturen in Deutschland einreichen.
Worum geht es den Wettbewerbsmacher_Innen? Ausländerfeindlichkeit, Integration, Umgang mit anderen Kulturen – so langsam wird’s off-topic. Aber zur Rettung des Wettbewerbsthemas bleibt zum Glück die Thematik der „deutschen Identität“ , was immer auch damit gemeint ist. Das spielt im Prinzip aber auch keine Rolle, viel spannender ist ohnehin die Frage, wie ein Foto zur „deutschen Identität“ sich gegen Rechtsextremismus, also u.a. übersteigertem Nationalismus, wehren kann. Eine Antwort liefern die Wettbewerbsmacher_Innen auf diese Frage nicht. Bei der Beurteilung der eingereichten Fotos soll neben fotografischer Qualität der „kreative Umgang mit dem Thema“ eine Rolle spielen. Aber kann darf mit dem Thema „Rechtsextremismus“ überjaupt kreativ umgehen? Führt ein kreativer Umgang mit dieser Thematik nicht zwangsläufig zu einer Verharmlosung des Problems? Für die Jugendpresse, das SchülerVZ (was das Thema wie schon erwähnt von Haus aus nicht ernst zu nehmen scheint) sowie die Sponsoren Adobe und Canon offenbar nicht. Allerdings beweisen manch hochgeladene Fotos bereits Gegenteiliges. So zeigt ein Bild ein Halteverbotsschild mit je einem weißen Pfeil nach links und rechts. Die Aufnahme könnte vom führenden Extremismus-Forscher Eckhard Jesse aus Chemnitz stammen, der lieber Extremismus in all seinen Facetten anstelle von Nationalismus oder Antisemitismus bekämpft. Dass er selbst beste Kontakte zur so genannten „Neuen Rechten“ unterhält, sei nur am Rande erwähnt. Jedenfalls hat Jesse-Verehrer_In „lilaFrosch“ ebenso wenig einen Preis verdient wie „denis-cubic“, die/der uns selbiges Verkehrsschild mit lediglich einem nach rechts weisenden Pfeil präsentiert. Die bloße Ablehnung rechtsextremen Gedankenguts klammert nämlich aus, dass Versatzstücke der NS-Ideologie wie z.B. Antiamerikanismus oder Antizionismus nicht nur in der bürgerlichen Mitte, sondern auch in der radikalen Linken schon seit Ewigkeiten präsent sind.
Als Hauptpreis winkt übrigens eine „coole Fotoausrüstung“, nämlich eine EOS 450d im Kit mit einem 18-55mm IS. Kenner wissen, dass dies nicht wirklich eine „coole Ausrüstung“ und man ständig am Nachrüsten ist, aber genau deshalb dürfte Canon diesen Wettbewerb supporten.
Im besagten SchülerVZ hat sich bereits eine Gruppe mit dem einfallsreichen Namen Ich fotografiere gegen Rechtsextremismus“ gegründet. Dass die Masse der „Nachwuchsjournalist_Innen“ dort wirklich bereit wäre, auf die Straße zu gehen, um mit der Kamera eine rechte Demo zu dokumentieren, während ihnen Steine um die Ohren fliegen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
P.S.: Das Titelmotiv mit den Stiefeln in der Fußgängerzone sagt 1. nichts aus und 2. zeugt von Ahnungslosigkeit. Anscheinend hat sich unter den Veranstalter_Innen noch nicht rumgesprochen, dass die Masse der Nazis nicht mehr mit Stiefeln und Bomberjacken durch die Straßen läuft.
P.P.S.: Ich werde den Wettbewerb im Auge behalten und bei Bedarf weiter davon berichten.
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